Klütjes

Alles eine Frage der Zeit

Was ist am kostbarsten in der Weihnachtszeit? Die Zeit selbst! Alle haben keine Zeit in dieser Zeit, die den Anspruch darauf erhebt, besonders besinnlich zu sein.
Das fängt für viele mit den Weihnachtsfeierverpflichtungen an und hört für die Kinder damit auf, dass die Schule erst zwei Tage vor Heilig Abend zuende ist. Keine Zeit, in Ruhe mit Mutter Plätzchen zu backen oder Geschenke selbst zu basteln, wenn man noch bis zum Schluss für Arbeiten lernen muss, die in den Ferien nachgesehen werden müssen, weil eine Woche nach Ende der Weihnachtsferien die Halbjahrszensuren quasi stehen müssen. Frohes Fest!!!

Wenn man keine Zeit hat, muss man sie sich nehmen. Man kann sie auch ausdehnen. Wir alle wissen um die Relativität des Zeitempfindens. Sitzungen, Konferenzen, unangenehme Arbeiten können einem ewig vorkommen, schöne Stunden und freie Tage vergehen wie im Fluge.

Was also tun? Nicht hektisch werden, vor allem. Und nicht die eigene Unruhe weiter verbreiten, indem man allen anderen, ob sie es hören wollen, oder nicht, alles auf die Nase bindet, was man schon alles getan hat und was man noch alles zu bewerkstelligen hat. Das schafft einem selbst auch nur kurzfristige Befriedigung und hinterlässt womöglich ungewollt bei den Mitmenschen ein Gefühl, dass man entweder völlig überlastet am Rad dreht oder sich damit brüsten wolle, wie tüchtig und effektiv man sei. Nichts gegen Effektivität an sich. Sie schafft Werte und nützt Vielen. Aber es sind auch die anscheinend unproduktiven Stunden, die „es bringen". Sich ab und zu „beruhigt auf ein Faulbett" zu legen und den Augenblick zu genießen,  sei jedem, der nicht mit dem Teufel einen Pakt geschlossen hat, herzlich gegönnt.
Das soziale Gewissen zeigt sich in kleinen Alltaghandlungen, und nicht in großartigen Gesten, wie wir es besonders schön in Michael Endes MOMO nachlesen können.
Dieses Buch enthält mehr Philosophisches als manche hochtrabende Abhandlung, nämlich Weisheit, Güte und Menschenliebe. (Es macht die Gefahren von Konsum an Materiellem, Hektik und Ruhmessucht nur allzu deutlich. Und witzigerweise sind die Herren von der Zeitsparkasse die Übeltäter!)

Gönnen Sie sich ein kleines Päuschen mit einem Tee, Punsch oder Rotwein und
Nordfriesischen Klütjes

500g Weizenmehl
125g Butter
125g Zucker
250g dunkler Kuchensirup
1/8 l Milch
1p Lebkuchengewürz
1P Anis (ganz)
1P Anis (gemahlen)
1 Messerspitze Pottasche
½ Teel. Hirschhornsalz

Alles gut verrühren. Zu zwei Rollen in Backpapier im Kühlschrank mind. 1 Stunde bis mehrere Tage lagern und portionsweise zwischen zwei kleinen bemehlten Küchenbrettern zu fingerdicken Rollen verarbeiten. Diese in Scheibchen schneiden (1 cm) und auf Backpapier bei etwa 170°C und Umluft ca. 10 - 15 min. backen. Es gehen auch 2 Bleche auf einmal. Die Klütjes müssen nicht nur „durch", sondern auch dunkelbraun sein. Mehrfach kontrollieren und nicht verbrennen lassen!
Auf einem Küchenrost auskühlen lassen.
Da man den Teig an einem und das Backen an einem anderen Tag erledigen kann, ist das auch weniger hektisch. Während des Rollens kann man auch ein schönes Hörbuch hören oder mit einer lieben Freundin Tee trinken.
Früher bekamen die Rummelpottläufer Klütjes in ihre Beutel, weil die ja nicht klebten. Man machte so viele, dass sie mit einem Becher aus den großen Dosen heraus geschaufelt wurden.

Frohes Fest!, falls ich keine Zeit mehr zum Schreiben finde. Ich hoffe aber, dass ich es doch noch hinkriege, denn ich habe schon eine Idee.

Andrea Claussen

      

Dorle Obländer

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