Zivilisationskrankheit Allergie

Allergien nehmen rasant zu - inzwischen ist fast jeder Dritte betroffen

Soon beeten Sand schüürt de MochZivilisation, eigentlich eine Errungenschaft, die unser Leben verbessern sollte. Sie bezeichnet das gemeinschaftliche soziale und materielle Zusammenleben, verbessert durch Wissenschaft und Technik. Im Französischen wurde der Begriff als Gegensatz zur Barbarei benutzt. Andere Kulturen wurden als unzivilisiert abgestempelt, wenn sie unsere gesellschaftliche Lebensform nicht teilten. Heute beschreibt der Begriff Zivilisation eher die Lebensbedingungen, und genau hieraus entstehen auch einige Probleme. Unsere Zivilisation beschert uns, neben Vorteilen, auch Krankheiten. Diabetes, Rheuma, Gicht, Magen- und Darmerkrankungen, Fettsucht und Rückenprobleme, um nur einige zu nennen.

Wir nennen sie dann Zivilisationskrankheiten, Krankheiten, die wir bekommen können, weil wir so leben, wie wir es in unserer Gesellschaft tun. Mit Sicherheit müssen Allergien dazugerechnet werden. Seit den siebziger Jahren ist eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Bisher gibt es keine vernünftige Erklärung dafür. Diskutieren kann man alles Mögliche: Veränderungen in der Landwirtschaft, mit Folgen für unsere Ernährung, die oberirdischen Atombombenversuche der Sechziger, vermehrter Antibiotikaeinsatz, Elektrosmog oder Umweltverschmutzung der Luft und des Bodens. Alles mögliche Auslöser, die unseren Körper überfordern.

Aber was ist eigentlich eine Allergie? Es ist eine überschießende Reaktion unseres Immunsystems auf Stoffe unserer Umwelt. Unser Immunsystem macht es uns möglich, in dieser Umwelt zu leben. Es eliminiert Stoffe, die in unseren Körper gelangen und uns schaden könnten. Wir leben seit tausenden von Jahren friedlich mit Bakterien, Viren, Pilzen und Pollen. Woher kommt also diese drastische Zunahme der allergischen Erkrankungen? Beobachtungen haben gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, ein geringeres Risiko haben, an Asthma und Heuschnupfen zu erkranken. Kontakt zu zwei oder mehreren Hunden oder Katzen im ersten Lebensjahr kann das Risiko von verschiedenen Allergien vermindern: gegen Hunde- und Katzenhaare, Ragweed oder Hausstaubmilben.

Die Zivilisation kam aber auch mit einer verstärkten Hygiene im Gepäck. In vielen Bereichen ist diese sicher sinnvoll, übertrieben, wendet sie sich gegen uns. Um zu funktionieren, muss unser Immunsystem trainiert werden. Es muss lernen, mit seiner Umwelt klarzukommen. Wir werden „klinisch rein“ geboren, nach ca. einer Woche ist eine vollständige Besiedlung des Darmes mit Bakterien aus unserer Umgebung abgeschlossen. Wir leben in friedlicher Koexistenz mit ihnen, wir brauchen sie. Kinder im „Dreck“ spielen zu lassen, ist sicher nicht der einzige Weg, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Son beeten Sand schüürt de Moch“, hat schon meine Großmutter immer gesagt.

Die Behandlung gestaltet sich schwierig, die Unterdrückung der Symptome bringt nur kurzzeitig Besserung. Die Hyposensibilisierung (wiederholte Gabe des abgeschwächten Allergens) dauert Jahre, der Erfolg stellt sich damit nicht immer ein. Wissenschaftler versuchen jetzt Bakterien zu finden, die die Bakterienflora des Darmes beeinflussen, um Allergien zu verhindern. Die Naturheilkunde geht andere Wege. Neben einer Sanierung der gestörten Darmflora, wird versucht, mit z.B. der Bioresonanztherapie, dem Körper wieder „beizubringen“, angemessen auf Umwelteinflüsse zu reagieren.

Wolfgang Claussen

Dorle Obländer

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