Menschenbilder - eine Ausstellung von Andrea Claussen

Galerierestaurant Kontraste in Neumünster

Alles beginnt mit dem Sehen. Kann man das so sagen? Reicht das aus, um den Auslöser des Prozesses zu beschreiben, an dessen Ende das Bild steht? Und ist das fertige Gemälde denn das Ende der Geschichte, oder ist es das zweite Kapitel?

Natürlich nicht, denn sonst bräuchte man Bilder nicht auszustellen. Sie sollen ja gesehen werden und wiederum im Betrachter etwas auslösen, ihm Gedanken und Gefühle vermitteln, ohne sie ihm aufzudrängen.

Zurück zum Anfang.

Zwei Menschen reisen. Sie stehen sich sehr nahe und kennen einander lange. Ihre Sicht auf die Welt stimmt in weiten Teilen überein. Beide würden sich ohne einen Fotoapparat o.ä. nicht richtig wohl fühlen. Auf viele Eindrücke reagieren sie ähnlich. Und dennoch: Jeder sieht immer noch ein wenig unterschiedlich, setzt andere Akzente, wählt andere Blickwinkel. Bei der abendlichen Auslese wird verglichen, verworfen, diskutiert und manchmal auch getauscht.

Eine Auslese wird zu einer Skizzensammlung, zum Gedächtnis des Malers, andere werden zuhause fotografisch weiterbearbeitet.

Am Schluss werden von 1000 Fotos vielleicht fünf gemalt, im Laufe der Jahre. Immer dann, wenn die Stimmung richtig ist, wenn das Thema in der Luft liegt. So wachsen aus verwandten Motiven Serien heran.

Begonnen habe ich Anfang der Siebzigerjahre mit Landschaftsaquarellen und Architektur, mit dem eigenen Garten und dem Umzug nach Nordfriesland kamen viele Blumenbilder, dann Landschaften und Himmel in Pastellkreide. In den Neunzigerjahren war ich reif für Porträts. Plötzlich fand alles seinen richtigen Platz. Dann kamen ein paar Versuche mit Acryl und Tempera, die ich nicht befriedigend fand, bis ein Kollege mir die Griffin Alkyd-Ölfarben vorstellte. Diese entsprachen meinem Bedürfnis mit kräftigen, leuchtenden Farben und gleichzeitig schnell zu arbeiten. So wurden auch großformatige Bilder möglich und damit eine andere Pinselführung.

 Meine Bilder wurden malerischer. Und der Farbfleck dominierte über die Linie. So entstand ein Stil, den man als expressiven, in Teilen aber auch impressionistischen Realismus bezeichnen könnte. Gegen den Begriff Naturalismus wehre ich mich, da er weder meiner Malweise, noch meiner Motivwahl entspricht.

Letztere wird vom Interesse am Menschen dominiert. Es sind die Lebensgeschichten oder typische Situationen in einem bestimmten Lebensabschnitt, die ich finde und die mich dazu reizen, sie darzustellen. Ähnliches gilt für Porträts, denn in alten Gesichtern spiegeln sich Erfahrungen, in jungen Erwartungen. Sie regen mich dazu an, mir Geschichten auszudenken, sie mit Bekannten zu vergleichen und über das eigene Leben nachzudenken. Nicht jeder interessiert sich für "fremde"   Gesichter, und doch lässt sich so Vieles in ihnen wiederentdecken, wenn man nur will und sich einen Moment Zeit nimmt. Schließlich sind wir alle Menschen.

Galerierestaurant Kontraste
Haart 10, Neumünster
14.8.-26.10.2017
Vernissage 14.08. 19 Uhr
Öffnungszeiten:
Mo.-Fr. ab 17 Uhr
Sa. ab 9 Uhr
So. ab 10 Uhr

(NfI)

Dorle Obländer

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