Sandskulptur von Sigrid Stegemann

Kunst im Sandkasten

Arbeitsgruppe der Kunsterzieher (BDK-NF) bildet sich fort

Der Wunsch, im Sandkasten zu spielen und dort etwas nach seiner Fantasie zu gestalten, ist in vielen von uns fest seit der Kindheit verankert. Was hat das mit Kunst zu tun? Alles, was über das reine Wällebauen und Förmchenbacken hinaus geht.

Nur stießen wir immer wieder an unsere Grenzen, wenn wir vom normalen Strandsand mehr verlangten als Sandkuchen und Kleckermatsch. Neidisch beäugte ich die Sandcastle Contests - an England Küsten eine heiß geliebte Tradition. Dann das Priwallerlebnis internationaler Kunst aus Sand. Und jetzt die Lösung. Die Sache stand nach der Begegnung beim Kultur21 Festival in der Messehalle fest, wo Gunda und Lars Schütt ihre Technik präsentierten. Sie bauten die Alte Schule in Westerhever auf der Halbinsel Eiderstedt zu einem Schullandheim aus, dessen Gelände sich direkt an das Marschland anschließt mit wunderbarem Blick auf einen alten Haubarg. Selbst halten sie Esel und Bienen. Die Hauptattraktion bildet ein in SH wohl einmaliges Angebot: Unter zwei großen Festzelten befinden sich Sandhügel aus einem Sand-Tonerde-Gemisch, das sie aus den Niederlanden beziehen. Etwa 15 Menschen finden reichlich Platz, um allein oder in Partnerarbeit eine Sandskulptur zu schnitzen.

Wir besichtigen die riesige „Krake mit Wikingerschiff", die von der Künstlerin Sigrid Stegemann im Vorjahr auf der Wiese am Ortseingang vor der Schule als neues Wahrzeichen erstellt wurde. Auf dem Sandhügel wurden eine große Verschalung für die Basis und darauf später eine bzw. mehrere kleinere für die schmaleren, höher herausragenden Teile der Skulptur errichtet. Schichtweise wird das zerkleinerte und befeuchtete Lehm-Sandgemisch in die Bretterverschalung geschaufelt und mit schweren Metallstampfern so lange verdichtet, bis ein Fingereindruck kaum mehr sichtbar ist. Dann werden die Seiten leicht beklopft und der Spanngurt der, die vier Seitenteile zusammenhält gelöst. Ist das Gemisch zu feucht, reißen die Wände beim Abnehmen die Seiten oder den ganzen Quader mit sich. Im Gegensatz zu unseren Figuren, die von der nächsten Gruppe oder von den Bildhauern selbst wieder zerschlagen werden, wurde die Krake durch mehrere Schichten eines Wasser-Holzleim-Gemisches bedingt wetterfest gemacht. Bei einer Vorbesprechung im Gruppenraum erhielten wir wertvolle Tipps darüber, was in der Umsetzung möglich, unmöglich, schwierig oder gut geeignet ist, sodass wir vor dem Zeichnen der Entwürfe quasi einen Schwierigkeitsgrad wählen, bzw. Fehler wie Unterschneidungen oder zu filigrane Formen meiden konnten. Für Anfänger wurde eine Auswahl laminierter Beispiele bereitgestellt, die für Schulkinder und Privatveranstaltungen wie Kindergeburtstage gute Anregungen geben. Aber für ältere Schüler und Menschen, die ernsthaft plastisch arbeiten wollen, ist die Arbeit mit Sand eine gute Erfahrung und Übung. Was weggenommen wurde, lässt sich nicht mehr "ankleben". Das läuft anders als bei Tonarbeiten. Eine exzellente Vorübung für das Arbeiten mit Gips- oder Holzschnitzen, mit Y-Ton oder Speckstein. Räumliches Denken und ein Gefühl für Statik sind vonnöten, will man etwas Anspruchsvolles gestalten. Während das Schaufeln und Stampfen körperliche Kraft erfordert, ist das Bearbeiten selbst leichter als Brotschneiden. Die Ergebnisse fanden alle erstaunlich. Eine sehr schöne Fortbildung, die sich auch zu wiederholen lohnte. Für Schulklassen, die ohnehin wenig Kunstunterricht erhalten, wäre das Sandskulpturenbauen ein schönes Zusatzprojekt in einem der „kunstfreien" Schuljahre.  

Andrea Claussen

Dorle Obländer

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