Dem Leben einen würdigen Abschied geben

Wer kommt, der geht

Am 6.2.2013 besuchte ich den Vortrag in der Altenbegegnungsstätte, da ich meinte, mich mit diesem Thema einmal in Ruhe beschäftigen zu müssen, ohne dass ein direkter Bezug es nötig mache. Ich halte es für sinnvoll, rechtzeitig informiert zu sein, denn irgendwann muss sich wohl jeder von uns dieser Frage stellen.

Der „Verein für Betreuung und Selbstbestimmung in Nordfriesland e.V.“ hatte zum Thema "Bestattungsvorsorge - dem Leben einen würdigen Abschluss geben" als Referenten Jan Ingwersen, Bestatter aus der Hattstedtermarsch, eingeladen.

Thorsten Weiland, Geschäftsführer des Vereins, begrüßte die Interessierten, stellte kurz den „Verein für Betreuung und Selbstbestimmung“ vor und begrüßte dann Herrn Ingwersen, dem er auch gleich das Wort erteilte.

Herr Ingwersen stellte kurz seinen Werdegang dar und leitete mit den Worten: “Wer kommt, der geht“, zum Thema des Abends über.

Sein Bestattungsunternehmen ist Tag und Nacht telefonisch erreichbar. Es muss keiner bis zum Morgen warten, wenn in der Nacht ein Angehöriger verstorben sei. Seine erste Frage laute dann immer, ob der Hausarzt oder Notarzt dagewesen sei und ob es einen Totenschein gebe. Innerhalb von 36 Stunden müsse der Leichnam in ein Bestatterhaus überführt werden.

Wichtig sei, so Ingwersen, dass man sich schon einmal Gedanken gemacht habe. Es komme z.B. vor, dass die Hinterbliebenen entsetzt darüber seien, wenn sich ihre Mutter eine Urnenbestattung gewünscht habe. Daher sollte man schon einmal vorher mit den Angehörigen sprechen, was man möchte. Hat man Bedenken, dass der Wunsch nicht erfüllt wird, sollte eine schriftliche Verfügung erstellt werden. Das kann man beim Notar oder beim Bestatter machen. Dort könnten alle Wünsche dokumentiert werden und ggf. auch die finanzielle Seite, denn die Krankenkassen zahlten keinen Zuschuss mehr.

„Was kosten denn nun eine Erdbestattung, Urnenbestattung, Seebestattung oder Luftbestattung?“, war die Frage aus dem Publikum. Das wollte Herr Ingwersen nicht beantworten, denn es gebe zu viele verschiedene Varianten, wie eine Beisetzung gestaltet werden könne. Es fange bei den Kosten für den Sarg, die Traueranzeige, eine Kaffeetafel, die Blumen usw. an und höre bei den Friedhofskosten auf. Einige Dinge, wie Sterbeurkunde vom Amt, Traueranzeige, Danksagungen, Blumenbestellung usw. könnten auch von Angehörigen selbst geregelt werden. Die Beerdigungskosten seien die eine Sache, die Friedhofskosten eine andere. Für einen Sarg zahle man ab 300 Euro aufwärts. Dagegen könne man sich z.B. eine Urne selbst töpfern oder töpfern lassen. Vorausgesetzt, es handle sich um zersetzbares Material. Endlich machte Ingerwsen doch noch die Aussage, dass eine Bestattung so zwischen 5000 und 10000€ kosten könne.

Stirbt ein Angehöriger in der Klinik, so gibt es dort Abschiedsräume für die Hinterbliebenen. Danach wird dann der Bestatter tätig. Innerhalb von 10 Tagen muss nach dem Gesetz eine Bestattung vollzogen sein.

Im Abschiedshaus in der Hattstedtermarsch, umgeben von Natur und Weite, könne man Abschiedszeit verbringen, so viel und so lang wie man wolle, so die Aussage von Herrn Ingwersen. Einige Angehörige haben ihre Thermoskanne, belegte Brote und die Zeitung mit, wenn sie an einem Vormittag Abschied nähmen.

Entschließe man sich zur Einäscherung, so werde der Leichnam in eines der drei Krematorien des Landes Schleswig-Holstein gebracht. Entweder nach Kiel , Lübeck oder Tornesch. Es werden aber auch Lüneburg oder Stade angefahren, damit keine langen Wartezeiten entstünden. Der Sarg für eine Einäscherung kostet um die 300 Euro. Bevor dieser Prozess beginne, werde der Leichnam nochmals ärztlich untersucht, ob der Tod nicht durch Fremdverschulden verursacht worden sei. Dieses werde nur bei einer Feuerbestattung gemacht. Es sei den Angehörigen auch möglich, mit ins Krematorium zu fahren, um der Einäscherung, die 2 bis 2 1/2 Stunden daure, beizuwohnen. Seit einigen Jahren sei es gestattet, einen kleinen Teil der Asche (10 x 15 cm) in einer Mini-Urne oder in einem anderen Gefäß oder Schmuckstück mit nach Hause zu nehmen.

Eine Seebestattung werde in bestimmten ausgewiesenen Gebieten der Nord- oder Ostsee vorgenommen. Mein Nachbar flüstert mir zu, dass seine Asche in der Ostsee versenkt werden solle, da habe er über viele Jahre gesegelt.

Die Urnenbeisetzung könne anonym oder halbanonym vollzogen werden. In den meisten Fällen werde eine Beisetzung der Urne im engsten Familienkreise, entweder nach der Trauerfeier in einer Kirche oder im Abschiedsraum des Bestatters, vorgenommen. Ob die Kirche etwas für eine Beerdigung nehme, wisse Ingwersen nicht, ein weltlicher Redner koste so zwischen 200 und 500 Euro. Natürlich könne auch ein Freund der Familie oder eine Angehörige die Trauerrede halten. Es sei durchaus auch möglich, im eigenen Haus eine Trauerfeier durchzuführen. Bei einer Aufbahrung müsse diese jedoch, wie oben erwähnt, innerhalb von 36 Stunden stattfinden.

Trotz des bereits aufschlussreichen Vortrags blieben noch viele Fragen, die nur zum Teil beantwortet werden konnten. Ähnliches passiert beim Googeln des Themas im Internet. Auf die Anfrage „Bestattungskosten+Nordfriesland“ erscheint die Seite des GVB (Gesellschaft für Bestattungen), wo man seine Daten angeben muss, eine Hürde, die wir nicht nehmen wollen. Dann folgt die Adresse eines Bestattungsdiscounters mit Hauptsitz in Leipzig, das bundesweit Bestattungen zu „Dumpingpreisen“ anbietet und damit wirbt, jedes von Kunden anderweitig eingeholte Angebot zu unterbieten. Die folgenden Seebestattungen lassen auch nichts über ihre Kostenvorstellungen heraus. Sie finden wir erst am rechten Rand unter „Bestatter-Preisvergleich“, wo immerhin fünf verschiedene Beispiele aufgeführt werden (von 444,---€ bis ca. 2800€). Dann erscheint das Unternehmen von Herrn Ingwersen. Auch andere Bestatter aus Husum und Nordfriesland haben eine Website. Aber was fehlt, sind konkrete Preise. So ist der Kunde gezwungen, sich persönlich beraten zu lassen. Eine Maßnahme, die vielleicht auch „präventiv“ unternommen werden sollte, da nicht jeder im Trauerfall dazu in der Lage ist, kritisch durchzugehen, was es für Möglichkeiten gibt. Wer sich also unverbindlich und anonym rechtzeitig informieren will, hat es weiterhin nicht leicht.

Ingrid Tetens, (NfI)

Dorle Obländer

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