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Entwicklung der Erneuerbaren Energien nicht ohne Spannung

 Unternehmensverband Unterelbe-Westküste lädt zum jährlichen „Parlamentarierabend“

Lutz Bitomsky (rechts) mit seinem Gastredner Matthias Boxberger (links) im Saal des Hotels Kotthaus.Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste e.V. hat in das Hotel Kotthaus, Heide, zum alljährlichen „Parlamentarierabend“ eingeladen und nahezu 60 Vertreter von Parteien, Organisationen und Unternehmen sind gekommen. Als Gastredner konnte der Vorstand der Schleswig-Holstein Netz AG, Quickborn, Herr Matthias Boxberger, gewonnen werden. Der Fachmann mit jahrelangen Erfahrungen aus Konzipierung, Entwicklung und Ausbau von Netzen verstand es, in seinem Vortrag die Teilnehmer auf die Spannungsfelder der aktuellen Maßnahmen hinzuweisen. Besonders in den letzten Monaten trifft die Netzausbauer die Kritik, dass sie nicht schnell genug voranschreiten, um den EEG-Strom aus dem Entstehungsgebiet abzutransportieren.

Matthias Boxberger verstand es, über sein Zahlenmaterial sehr deutlich die aktuelle Leistung, die kurzfristig mögliche Leistung und die zukünftige maximale Leistung aus EEG-Quellen bildlich darzustellen. Schleswig-Holstein und besonders die Westküste stellen bundesweit mit ihren hohen Erzeugungsmengen eine einmalige Ausnahmeleistung dar, die den Netzwerkentwicklern deutlich höhere Netzentwicklungskosten verursacht, als den Betreibern in anderen Gebieten der Bundesrepublik.Die Errichtung neuer Windparks und der Ausweis neuer Flächen für Windparks sind aktuell nicht verzahnt mit dem möglichen Ausbau der notwendigen Transportnetze. Diese erhöhte Erzeugung trifft gleichzeitig auf geringere Verbräuche, die durch Effizienzprogramme auf Landes- und Bundesebene gefördert wird. Auch die demografische Entwicklung der Bevölkerung wird zunehmend zu einem geringeren Verbrauch führen. Bei den aktuellen Gegebenheiten muss die Schleswig-Holstein Netz AG zurzeit von einem technischen Vorlauf von vier Jahren ausgehen. Dieser Zeitraum setzt sich zusammen aus Planung, Bestell- und Liefervorlauf sowie die Bauleistung. Dieser zeitliche Rahmen, der sich kaum beschleunigen lässt, wird von der Freigabe zusätzlicher Windeignungsflächen im nächsten Jahr nicht berücksichtigt. Matthias Boxberger sagte es klar: „Wir fahren mit Vollgas in den Stau!“ Hier besteht Handlungsbedarf und diese Forderung wurde deutlich und klar in Richtung Politik formuliert.

Schon in seinem Eingangsreferat hat der Vorstandsvorsitzende des Unternehmensverbandes, Lutz Bitomsky, darauf hingewiesen, dass im Jahr 2010 ca. 10 Millionen Euro Schadensersatz für nicht eingespeisten EEG-Strom gezahlt worden ist. Nach den aktuellen Kenntnissen über die Entstehung von weiteren EEG-Quellen und den Möglichkeiten des Netzausbaus muss davon ausgegangen werden, dass sich dieser Wert bis zum Jahre 2015 auf über 200 Millionen Euro erhöht. Matthias Boxberger nahm diese Zahlen auf und wies darauf hin, dass frühestens zum Ende des Jahrzehnts mit einer Harmonisierung dieser beiden Größen zu rechnen ist. Durch die besonders hohen Netzausbaukosten in Schleswig-Holstein, die nicht auf das andere Bundesgebiet umgelegt werden können, sind Sonderbelastungen für die Energiekunden nicht auszuschließen. Die Zuhörer nahmen deutlich die Botschaft wahr, dass die Übergangsphase intelligent gestaltet werden und die Freigabe von Windflächen mit dem Netzausbau eng verzahnt werden muss.

Die anschließende Diskussion zwischen Politik und Wirtschaft verlief auf hohem sachlichen Niveau. Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass eine rechtzeitige offene Beteiligung der Bürger in die Planungsverfahren zur Vermeidung von Konflikten besonders bei der Trassenfindung und der Entscheidung, ob unterirdisch oder im Freiland gebaut wird, notwendig ist.

Der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste, Lutz Bitomsky, dankte seinem Gast  für die offenen Worte und grundlegenden Fakten und übergab ihm zum Dank für den informativen Abend eine Flasche Wein und ein Buch für hoffentlich ruhigere Momente der Entspannung von den ereignisreichen Zeiten, die uns noch bevorstehen werden.

(NfI)