Bild von Ingo KühlIngo Kühl - Weltrand 2010

Bilder und Plastiken von Ingo Kühl

In der Nähe des Meeres

Das Nordfriesland Museum in Husum eröffnet am 22. April um 11.30 Uhr in Anwesenheit des Künstlers die neue Sonderausstellung „In der Nähe des Meeres“, die Bilder und Plastiken des Berliner Künstlers Ingo Kühl präsentiert.

Wie kaum ein Maler in der Gegenwart hat sich Ingo Kühl in seinem künstlerischen Schaffen den maritimen Naturgewalten verschrieben. Auf den ersten Blick ein womöglich eher eingeschränktes Thema, das jedoch bei näherem Hinsehen nicht nur eine Fülle von motivischen Facetten, sondern vor allem einen unmittelbaren und elementaren Zugang zur Malerei an sich erschließt. Einmal mehr zeigt sich Ingo Kühl als ein Maler, der den motivischen Anlass mit einer eigenständigen Auffassung von Malerei zu verbinden weiß. Folglich ist stets der landschaftliche Bezug, das Meer mit seinen sich oft auftürmenden Wellen, mitunter aber auch ein schmaler Küstensaum zu sehen. Bewundernswert, zu welchen Lösungen Kühl im Laufe seines Schaffens gefunden hat. So reduziert er die Farbgebung zumeist auf wenige Töne, wenngleich diese auf oft verblüffende Weise durch eingestreute Kontraste zu beleben und in ihrer Präsenz zu steigern vermag. Im Gegenzug klagt die Malerei, d. h. der Auftrag der Farbe auf die oft großformatig ausgelegte Fläche, ihre eigenen Rechte ein. Will heißen: Bevor die Malerei etwas darstellt muss sie zunächst als ‚Malerei‘ bestehen. Die mit dem breiten Pinsel angelegten Strukturen füllen die vorgegebene Fläche aus und erzeugen dabei eine dichte Farbmodulation. Die Nahtstelle zwischen freiem Farbauftrag und einer eindeutigen Abbildlichkeit erweist sich als ebenso fließend wie im Grunde belanglos. Es ist die Malerei selbst, die in ihrem Erscheinungsbild einen genuinen Brückenschlag zum Motiv des Meeres zu schlagen vermag.

Mögen bestimmte Wasserlandschaften auch eine existenzgefährdende Perspektive erschließen, so werden andere Bilder wiederum durch eine meditative Haltung bestimmt. Nichts ist wirklich und verbindlich vorgegeben. Dementsprechend vermeidet Kühl jegliche erzählerische oder gar illustrierende Haltung. So ist es oft schwer zu sagen, ob bestimmte, mitunter geradezu bizarr angelegte Formen das Abbildliche auslösen oder ob die Wellen des Meeres die Formensprache dominiert. Kühl reduziert damit Malerei auf einen elementaren Kernbestand. Von Belang ist einzig die aus Malerei, d. h. aus dem Gestus der Pinselschläge wie aus den Valeurs der Farbe, abgeleitete Bildidee. Sie umfasst beide Bereiche gleichermaßen und söhnt sie miteinander aus. Woran Kühl immer wieder aufs Neue und von einem bildinitiierenden, imaginierenden Nullpunkt ausgehend gelegen sein mag, ist das ununterbrochene Sich-Aussetzen gegenüber den Naturgewalten. Sie sind es, die, jenseits einer letztendlich verbindlichen bildnerischen Festlegung, die Malerei Kühls bestimmen. Ein Prozess, der freilich niemals ein finales Stadium erreichen oder gar ein sich erschöpfendes Ende finden wird.
Ingo Kühl wurde 1953 im schleswig-holsteinischen Bovenau geboren. Er studierte zunächst Architektur und danach, zwischen 1977 und 1982, Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin. Kühl unterhielt von 1980 bis 1994 ein zweites Atelier auf der Halbinsel Eiderstedt. Seit 2002 lebt und arbeitet er als freier Maler in Berlin und in Keitum auf Sylt. Zahlreiche Reisen führten ihn zudem um die ganze Welt.

Die Sonderausstellung ist bis zum 10. Juni 2018 im Nordfriesland Museum. Nissenhaus in Husum dienstags bis sonntags von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu sehen. Ein Katalog ergänzt die Schau.

(NfI)