Manuel Knortz (re.) und Musikerfreund Detlef PetersenManuel Knortz (re.) und Musikerfreund Detlef Petersen

yonder - Manuel Knortz bei Lüth

Wer am Sonntag, dem 15.9. in die Galerie Lüth in Halebüll kam, um an der Eröffnung der Grafik-Ausstellung des nordfriesischen Künstlers Manuel Knortz teilzunehmen, konnte die Bilder an den Wänden des alten Strohdachhauses kaum sehen, so voll war es.

Man könnte sagen, „alle“ waren da.  Freunde und Künstler-Kollegen und Kolleginnen, die den gebürtigen Husumer schon lange kennen, seine Entwicklung miterlebt haben. Kunstliebhaber, die ihn sammeln. Musikerkollegen. Man stand bis auf den Vorplatz. Nach der sehr persönlichen und einfühlsamen Rede des Schobüller Bildhauers Uli Lindow könnte man in dem folgenden Geschiebe doch mal hier und mal dort einen näheren Blick auf die Holzschnitte tun.

Lindow bezog sich des Öfteren auf das anglophile Erscheinungsbild des Künstlers, dabei aus Bölls Irischem Tagebuch zitierend und den Bogen von der grünen Insel zu den Weiten Nordfrieslands ziehend. Dabei „unterstellte“ er dem Künstler eine melancholische Grundstimmung, in der dieser „sich eingerichtet habe und sich wohlfühle“. Den Nebel, die Vogelschreie und den beginnenden Herbst führte er an, die sogenannte Westküstendepression, diese Melancholie zu illustrieren. Ohne ihn zu nennen gesellte er da natürlich den guten Theodor Storm zu Heinrich Böll. Warum nicht? Um dann die Kunst als Werkzeug zu erklären, dies Stimmung zu erfassen und zu „transzendieren“. „yonder“ bedeutet schließlich auch „jenseits“. Ein sehr passender Titel für die Bilder dieser Ausstellung.

Eine Ästhetisierung der Einsamkeit zu einem Gefühl von Wärme und Geborgenheit, Heimat (hat er nicht gesagt). Wohnstätten stellen in verschiedenster Form ein wiederkehrendes Motiv dar. Ebenso Schiffe und Boote, Aufbruch und Abschied, Sehnsucht nach neuen Ufern? Aber ja auch Heimkehr. Mit dem Drucker Reinhard Scheuble brachte er mehrere Kunst-Bücher (Originale, gebunden) heraus, die ebenfalls ausgestellt sind. Sie enthalten auch sonst weniger vertretene Menschendarstellungen, z.B. in dem Band zum Schimmelreiter. Insgesamt ist sich Manuel Knortz stilistisch treu geblieben, was Sinn ergibt, denn seine Holzschnitte haben einen immensen Wiedererkennungswert. Es lohnt sich, diese reichhaltige Ausstellung in Ruhe zu besuchen. Die Galerie ist von Mittwoch bis Sonntag von Uhr geöffnet und Heinrich Lüth weiß viel über seine Künstler und ihre Arbeitsweise zu erzählen.

Andrea Claussen