Kunstwerk von Gerhard Frobarth

Atelier Gerhard Frobarth in Husum

Die Metamorphose eines Hauses auf der oberen Neustadt oder wie mehr und andere Kunst nach Husum kam.

Vor nahezu etwa 7 Jahren hat der Künstler und Innenarchitekt Gerhard Frobarth nun schon seine Zelte von Sankt Moritz nach Husum verlegt. Husum war ihm nicht unbekannt, da er jahrelang für sechs Wochen an der Nordsee Urlaub machte und es war immer sein Wunsch, nach dem aktiven Berufsleben mit 70 nach Husum zu ziehen.

Gerhard Frobarth mit Gästen zur Eröffnung des AteliersGerhard Frobarth mit Gästen zur Eröffnung des AteliersDen 1944 in Hamburg Altona geborenen gelernten Tischler zog es zum Kunststudium 65 für ein Jahr ans „Lerchenfeld“, wo er Freundschaft mit Jörg Immendorf schloss, die bis zu dessen Lebensende hielt. Zunächst ging Immendorf an die Akademie in Düsseldorf, als Meisterschüler von Joseph Beuys. Dort nahm er bei einem der häufigen Besuche seinen Freund Frobarth mit zu einem Treffen wo er ihn Joseph Beuys vorstellte. Daraufhin bewarb er sich schriftlich unter Erwähnung dieses Treffens. Professor Beuys gewährte ihm eine dreimonatige Probezeit, dann wurde er aufgenommen zum Studium der abstrakten Malerei bis 1970. Nebenbei verdiente er seinen Lebensunterhalt in einem renommierten Möbelhaus als Tischler und beschäftigte sich mit Design, wobei er sich für den Bauhausstil begeisterte. Sodann studierte er von 1971-74 in Darmstadt Innenarchitektur mit dem Abschluss als Diplomingenieur. Eine hervorragende Wahl, konnte er doch ein Großteil seiner bis dato erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in diesem „Brotberuf“ vereinen, der ihn später in St.Moritz mit dem dort ansässigen namhaften britischen Architekten Norman Foster zusammenführte. Über ihn gewann der Künstler viele neue Kontakte. Während einer gemeinsamen Arbeit am Zürisee stellte Foster ihn dem Universitätspräsidenten Professor Dr. Wittenhagen vor, was zu Gerhard Frobarths Lehrtätigkeit dort führte. Mit Foster gestaltete er immer wieder dessen Häuser, was ihn auch ins Ausland schickte. Ein Grund, weshalb Dr. G. Frobarth seine 15-jährige Lehrtätigkeit als Professor für moderne und abstrakte Malerei an der Züricher Universität auch „ nur“ mit halber Stelle wahrnahm, um beiden Aufgabenfeldern gerecht werden  und auch noch selbst künstlerisch tätig sein zu können. Eigene Werke stellte er in einer Galerie in St.Moritz aus, ebenso an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Zürich, der Universitée de Genevre (Genf), in Schweizer Hotels und Kliniken.

In Husum mietete er zunächst einen Atelierraum am Nedderweg. Nun aber hat er sich den Traum einer Räumlichkeit genehmigt, die großzügig Atelier und Galerie mit einander verbindet. Hierzu nahm er die komplette Umgestaltung der ehemaligen „Neustadtapotheke“ vor, schräg gegenüber dem KinoCenter Husum. Das über 100 Jahre alte Gebäude beherbergte früher das für Husums kneipenreichste Straße gängige Emsemble: Gastwirtschaft für alle im Erdgeschoss, Hotel im ersten Stock für die Viehhändler und reichen Großbauern, Stall nach hinten raus für Knechte und Treiber. Der nahe gelegene Viehmarkt hielt das Ganze in Gange.

Jetzt sind beim Rückbau der Apothekenräume Teile des ursprünglichen Mauerwerks freigelegt geworden und in bewusst gewählten Ausschnitten sichtbar geblieben. Das gleiche gilt für Reste von Wandbemalungen und Tapeten. Der rechte Raum dient als Lounge, der größere ist so von Stellwänden durchzogen, dass erstaunlich viele Bilder und Objekte des Künstlers einen passenden Platz finden, ohne sich gegenseitig die Schau zu stehlen.

Durch eine raffinierte Schiebetür am hinteren Ende des Ausstellungsraums gelangt man in den Arbeitsraum des Künstlers, der sowohl seine sämtlichen vielfältigen Materialien zur Gestaltung und zum Rahmenbau, seine Farben, Leinwände, Holz und Werkzeuge bestens sortiert beherbergt, als auch praktische Wandregale zum Einstellen der fertigen oder noch im Entstehungsprozess befindlichen Werke.

KunstwerkKunstwerkAn einem großen Arbeitstisch vor dem Fenster, das auf den Schlosspark hinaus geht, kann Gerhard Frobarth ganz ungestört seiner Arbeit nachgehen. Diese ist davon geprägt, immer wieder ihn selbst und andere zu überraschen, einer der Leitlinien getreu, die auch sein Lehrer Beuys vertrat. Ganz wichtig ist ihm, das Spielerische und die Freiheit im Schaffen zu erhalten. Er möchte sich nicht auf einen Stil festlegen, auf keine farbliche Grundtendenz, auf kein stets wiederkehrendes Format. Manche Arbeiten haben Symbolcharakter wie das dreiteilige Bild von der „verkehrten Zeit“, die uns davon läuft, mit seinen Uhren, Fußabdrücken und seiner gefährlich roten Farbigkeit. Oder ebenfalls rot dominierte „Blutmondbild“. Dann wieder spielen anthrazit, bitumenschwarz und aschengrau eine Rolle. Die Oberflächenstruktur ist häufig wechselnd, mit Vorher auf den Untergrund gespachtelten Stoffen und Pasten, z.B. winzigen Bauschuttpartikeln, die nach Übermalung fast porzellanhaft mit zartesten Krakeléäderchen wirken. Das Auge geht auf die Reise und die Finger zucken, weil das Bild, wie mehrere andere auch zum Ertasten einlädt. Bei einigen Arbeiten spürt man deutlich den Sinn des Künstlers für das Komische oder einen Hauch Selbstironie. So auch die aus Muttern geschweißte „Mutterfigur“. Eine weitere ist geplant. Sie soll dann in dem roten Edelstahl-Ledersessel, einem Unikat aus den „Deutschen Werkstätten“ sitzen.

Mehr zu verraten, wäre jetzt überhand, denn es ist doch viel schöner, sich von den Werken persönlich überraschen zu lassen und mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen. Er freut sich über Ihren Besuch auf der „Neustadt 111“.

Andrea Claussen