Eisvogel gesehen
Almuth Heene in der Galerie Lüth
Der Titel der Ausstellung lässt aufhorchen. „Eisvogel gesehen“! Eine kleine Sensation, etwas, das man sich schon immer gewünscht hat. Und von der Formulierung her nicht die Aussage eines Ornithologen, sondern eines Kindes (oder Erwachsenen, der noch so reagieren kann), ganz tief aus dem Inneren heraus. Etwas, was man nicht erwartet, aber was man schon immer erleben wollte….
Erfüllt die Ausstellung der 1969 in Marburg geborenen Künstlerin diese Erwartungen? Das hängt natürlich wie immer zunächst von der Einstellung der Gäste der Galerie ab. Man ist immer Gast in der Galerie Lüth. Der Galerist ist ein Feingeist mit Bodenhaftung und Humor. Er ist sich nicht zu schade, selbst mit Kaffee und Keksen aufzuwarten und hat immer Zeit für Gespräche über Kunst und Leben.
Und die Künstlerin tat Recht, sich bei ihm für eine Ausstellung im heimeligen Reetdachhaus, von der Nordsee nur wenige Gehminuten entfernt, mit ihren Arbeiten zu bewerben. Die Chemie passt. Die Arbeiten auch.
1989 geht Almuth Heene mit 20 nach Hamburg, wo sich ihr weiterer Lebensweg entwickelt. Dieser ist so vielfältig wie ihre Kunst. Er beginnt mit Texten und Fotografien für Zeitungen, führt zu Studium und Diplom an der FHS für Gestaltung und zur Tätigkeit als Illustratorin und Designerin, zur freien Künstlerin. Es folgen pädagogische Tätigkeiten in Form von Lehraufträgen an den Hamburger Fachhochschulen für Architektur und Sozialpädagogik, in der Erwachsenenbildung und in der Kunsttherapie mit Kindern und Jugendlichen. Sie lebt und arbeitet außer in Hamburg auch in Nordfriesland.
Was hätte man beim spontanen Betrachten der Bilder von Almuth Heene ohne Vorinformationen schon ahnen können?
Zunächst, wie schon geschehen, den Wortwitz, dann die Vielseitigkeit in Technik und Inhalt. Eisvogel mit Lidschattenfarbe hingewischt!
Wer solche Stühle zeichnet, hat was mit Design zu tun gehabt. Wer so viele Wellenlinien und Bötchen mit einbaut, liebt das Meer. Wer die kleinen Dinge des Alltags unter die Lupe nimmt, der liebt sein Leben und kann sich an Kleinigkeiten freuen wie ein neugieriges Kind. Eine kleine Welt voller Wunder. Mit Bildwitz, mit Reduktion, mit grafischer Spielerei und spontan wirkender reduzierter Pinselführung. Die Bildgeschichte der „Spaghettiwüste“! Die Wimmelbilder mit städtischen (Bahnhöfe) und ländlichen (Erntestrukturen, Hochspannungsmasten….) Hintergrund, und immer kleine Überraschungen und Verfremdungen im Detail, die erst beim dritten Hinsehen auffallen, z.B. die Bäumchen, an denen „Morgensterne“ die Stelle von Blättern und Früchten einnehmen.
Mit der 45. Edition des galerieeigenen „pictus verlags“ kann man zuhause stets noch weitere Entdeckungen machen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 9. August 2026 in der Galerie Lüth, Halebüll Altendorfer Str.21 25813 Husum zu sehen.
Öffnungszeiten: Mi. bis So. 10.00 bis 18.00 Uhr
Andrea Claussen

